BOLEOS IM WANDEL

BOLEOS IM WANDEL

GLEICH VORWEG: Boleos gehören in die Kategorie schwer – und es braucht Zeit und Geduld, bis Führender und Geführte ein Gefühl für diese komplexe Bewegung bekommen. UND JA, es rentiert sich, sich auch als Tänzerin und Tänzer mit noch nicht viel Erfahrung, dem Thema Boleos zu widmen. 

Beim BOLEO handelt es sich um eine Schleuderbewegung des (in der Regel weiblichen) Beines. Es gibt zwei Varianten: Front-Boleo und Back-Boleo.

Bei beiden Boleo-Arten liegt die »körperliche« Arbeit bei der Frau. Intensität, Richtung und Stärke des Boleos werden vom Mann initiiert. Ein feines Zusammenspiel von Mann und Frau ist nötig, um die sensiblen Führungssignale des Mannes zu verstehen.

EINE KLEINE BOLEO-GESCHICHTE

Patrizia und ich (Michael) tanzten ca. ein Jahr und nahmen an einem Workshop eines berühmten Lehrers teil. Ein Thema waren auch Boleos.
Nach dem Workshop, während einer Pause, die Musik lief im Hintergrund, forderte eine nicht mehr ganz so junge Dame den Tangolehrer zu einem Tanz auf. Überrascht, »überfahren«, »verdattert« kam dieser dem Anliegen (widerwillig) nach. Es klappte nicht. Der Lehrer wies darauf hin, dass es Zeit brauche, den Boleo zu lernen.
Die Dame zeigte sich uneinsichtig. Sie meinte, dass ein Boleo immer gehen müsse, »man muss ihn nur fest genug führen«. Resignierend sagte der Tangolehrer,  dass beide Partner intensiv an dieser Technik arbeiten müssten.

 

Auch bei Boleos gilt das darwinistische Prinzip (das Bessere setzt sich durch). Boleos werden heutzutage anders aus- und geführt als noch vor einigen Jahren. Hohe Back-Boleos mehr in einer Linie, niedrige tendenziell rund.
Ähnlich ist es bei Front-Boleos. Höhere Boleos linear. Niedrige eher spiralförmig.

Es ist eine Mär zu glauben, dass Boleos nicht in einer Milonga, schon gar nicht in einer vollen, gemacht werden sollten. Falls mal eine Buenos Aires-Reise anstehen sollte, dann empfiehlt sich der Besuch einer Milonga, die in erster Linie von älteren Herrschaften frequentiert wird. Da sieht man elegante Damen, die kleine, feine Verzierungen ausführen, garniert mit schönen (Low-)Boleos.

Zwei Lernschwerpunkte

In einer gewissen Weise ist nachvollziehbar, warum Boleos in einer Milonga nicht so beliebt sind. Bei Boleos gibt es zwei Lernschwerpunkte: einmal die grundlegende Bewegung und dann die Einbettung in die Musik. Viele Tänzerinnen bleiben beim Boleo-Verlauf »hängen« und widmen sich nicht mehr der Aufgabe, Boleos in die Musik zu integrieren. Übrig bleiben  turnerische Movements mit Hintergrundbeschallung. Das nervt die umgebenden Paare.

Auch Führende müssen sich auf Veränderungen einstellen. Boleos lassen sich gut in die Musik integrieren, wenn sie von einem Taktschlag zum nächsten geführt werden (gleichsam mit der Musik). Im Gegensatz zu früher, wo der Boleo als Konterbewegung auf den Taktschlag und gegen die Bewegung der Frau gemacht wurde.