Tango clasico inspiriert Tango nuevo


Tangotanzen macht Spaß. Es haben sich vielfältige Stilrichtungen entwickelt, so dass für jeden etwas dabei ist: »Von tango-super-traditional ohne Kreativität über Tango clasico und Nuevo bis hin zu super-kreativ ohne Tango«.

Zirka von 2003 bis in etwa 2010 lag das Hauptgewicht der Tango-Entwicklung beim Tango Nuevo. Es wurden viele Figuren erfunden oder wiederentdeckt, wie beispielsweise Colgadas, Volcadas oder Soltadas (die Liste lässt sich lange fortsetzen). Takt und Rhythmus dienten als gemeinsame Synchronisierungspunkte, um gemeinsam weit und ausdrucksstark zu tanzen. Obendrein brauchte man Platz.

Der Nuevo war auch für den Mainstream ein wunderbares Mittel, sich auszudrücken. Man wollte sich darstellen. Das »Gemeinsame innerhalb des Paares« und die Musik traten in den Hintergrund. Überspitzt formuliert:  Der Partner diente als Stütze für die eigenen Moves, da stört rhythmische Tangomusik. Nun kam die Zeit der Non-Tangos mit weiten, ausladenden Bewegungen (und den vielen Karambolagen).

Non-Tangos erzeugen ein gleichmäßiges, monotones Tanzen

Während dieser Zeit keimte im »Underground« eine Gegenströmung. Die Hinwendung des Tangos in die traditionelle Richtung, verbunden mit dem Know-how des Nuevo. Stilmittel dieser neuen Richtung waren enges Tanzen, innige Umarmung, kleine und genaue Schritte in der Musik, wobei man versuchte, Nuevo-Figuren auf kleinstem Raum unterzubringen. Hervorragend klappte dies bei den verschiedenen Colgadas und Volcadas sowie bei Ganchos und Boleos.Dieser neue, eng getanzte Tango rückte auch in den Fokus junger Tänzerinnen und Tänzer. Es gab eine große Anzahl junger Lehrerpaare, die weich, geschmeidig und supereng jede Art von Tango-Musik hervorragend interpretierten. Sie tanzten jedoch kaum auf Non-Tango-Musik. In der Regel fehlen dieser Musik akzentuierte  Startpunkte für die Beschleunigung, um dynamische Schritte auszuführen.

 In den letzten Jahren drängten die meisten Tangotänzerinnen und -Tänzer in die Milongas, in der vornehmlich traditionelle Musik aufgelegt wurde. Das Tanzniveau wurde spürbar nach oben gehoben. Wie beim Tango Nuevo, wo sich im Höhepunkt zugleich sein »Untergang« signalisierte, deuten die Zeichen der Zeit darauf hin, dass sich dieses gerade bei dem neuen, engen Tanzen wiederholt.

Verbote mindern Empathie

In den sogenannten Encuentros entwickelten sich strikte Regeln (Codigos):  Cabezeo, Tanzen in Spuren, Verbot bestimmter Figuren (typischerweise Ganchos oder Boleos). Ein Reizthema in den Encuentro-Milongas ist die Musik. Gerne wird Musik aus der Entwicklungsgeschichte des Tango bis hin zur sogenannten »Goldenen Ära« aufgelegt. Musik aus dieser Zeit passt mit dem heutigen, weiter entwickelten Tango nicht zusammen, allenfalls mit dem Tangostil des vorigen Jahrtausends. Rigide Regeln bedingen zudem einen Typ von Tänzerinnen und Tänzern, denen die Einhaltung von Richtlinien wichtig ist. Das Tanzen wird unökonomischer, unmusikalischer und rücksichtsloser.

 Das macht nicht (mehr) jeder mit; zudem für Kreative kaum »Luft zum Atmen« bleibt. Das Spiel beginnt von vorne. Wieder verändert sich der Tango. Je nach Sichtweise, ein wieder erwachender, eng getanzter »Nuevo« oder ein etwas weiter getanzter Clasico mit anspruchsvoller Tangomusik, die sich durch ihre typische Vielschichtigkeit der musikalischen Ebenen auszeichnet. Tanzpaare können sich im Tango differenzierter ausdrücken: von einfach getanzten Schritten bis hin zu engen Nuevo-Figuren. Das Niveau wird nochmals steigen; zudem wird es ein Revival der »alten« Nuevo-Figuren geben, kombiniert mit den kleinen, feinen, schnellen Schritten des Clasico. Soltada-Kombis, Nuevo-Ganchos und -Boleos - sie alle werden in veränderter Form wieder kommen – es wird wieder spannend.