DOUBLE TIME – TANZEN, FÜHREN, GEFÜHRT WERDEN

Tanzen im »double time« ist eine eigene Kunst. Man benötigt einerseits (Basis-)Kenntnisse über den Aufbau der Musik, andererseits eine spezielle Geh- und Führungstechnik, um das Tanzen im »double time« zu realisieren.

Die Stücke im Tango weisen in der Regel Taktschläge von eins bis acht auf. Eine solche Aufteilung nennt man Phrase. Eine Phrase im Tango wird gelegentlich nochmals in der Mitte geteilt, so dass 2 x 4-Einheiten entstehen. Es gibt also die Zählweise 1, 2, 3, 4 (=1x4). Dann geht es weiter mit 5, 6, 7, 8 (=2x4). Jede Zähleinheit entspricht einem Taktschlag. In der Regel wird auf einen Taktschlag ein Schritt gesetzt. Gelingt das, tanzt man taktsicher (und man steigt sich nicht auf die Füße).

Der Vorteil des phrasierten Tanzens liegt in der Synchronität von Tanz und Musik. Die Phrase beginnt mit »1« und die Figur startet mit dem ersten Schritt. Die Figur endet mit der Phrase auf »8«. Der Figurenaufbau lässt sich auch auf Vielfache von »4« aufbauen. Das ist in der Regel einfacher und passt trotzdem in die Musik. Das Tanzpaar ist jetzt Teil der Musik (quasi Teil des Orchesters) geworden. So zu tanzen macht unheimlich viel Spaß. Natürlich muss das nicht durch das ganze Stück gezogen werden. Wir Tänzer haben im Gegensatz zu Musikern im Orchester den Vorteil, die Struktur der Musik durchbrechen zu können, um sie nach Gusto zu interpretieren.

ZWISCHENSCHLÄGE

In einer Phrase von 1 bis 8 können Taktschläge ausgelassen oder zusätzliche eingefügt werden. Das gilt (natürlich) auch für die Tanzschritte. Zusätzlich eingefügte Schläge, Zwischenschläge, finden sich oftmals auf »1« und »2«, »3« und »4«, »5« und »6«, »7« und »8«. Gerne werden Zwischenschläge nur zwischen »3« und »4« sowie »7« und »8« eingefügt. Man tanzt also einen Schritt (ist gleich Taktschlag 1), einen zweiten Schritt (ist Taktschlag 2), den dritten Schritt (ist Taktschlag drei), fügt noch einen kleinen Schritt ein (ist der Zwischenschlag) und beendet die halbe Phrase mit dem vierten Schritt (ist Taktschlag 4). Anschließend wiederholt man das für die Schritte fünf bis acht, wobei zwischen den Schritten sieben und acht ebenfalls ein Zwischenschritt (ist gleich Zwischenschlag) eingefügt wird. Die Zwischenschläge sind in der Regel nicht so stark betont wie die Hauptschläge. Man spricht von »double time«.

»MÄNNLICHE« UND »WEIBLICHE« TAKTSCHLÄGE

Die Schläge von eins bis acht sind meistens in der Betonung unterschiedlich - die ungeraden Schläge (1, 3, 5, 7) gefühlt kraftvoll und härter, die geraden Schläge (2, 4, 6, 8) »leiser« und weicher. Die ungeraden Schläge bezeichnen wir (tango-X = Patrizia und Michael) als »männliche« Taktschläge, die geraden entsprechend als »weibliche«. Liegt der Schwerpunkt einer Bewegung auf Frauenschritten, empfehlen sich die geraden, »weiblichen« Schläge als Grundlage für den Figurenaufbau. Ist die Figur »männerlastig«, dann nimmt man die ungeraden Schläge. Sehr schön sieht man das anhand der Sacada. Je nachdem ob der Schwerpunkt auf dem »männlichen« oder »weiblichen« Taktschlag liegt, ändert sich der Charakter der Sacada.

Wie werden die Schritte im »double time« gesetzt? Klein und kurz. Außerdem auf den Ballen und nach »oben« (nicht »ins Knie«) getanzt. Es gibt eigentlich nicht soviele Anwendungsfälle, wo es passt, während des Tanzens »ins Knie« zu gehen: bei einer starken Betonung in der Musik mit anschließender Pause oder am Ende eines Stückes. Ähnlich verhält es sich beim Drehen oder bei der Colgada – man »schraubt« sich nach oben, nicht nach unten (das ist ein anderes Thema, auf welches ich demnächst eingehen werde. Damit bin ich anderer Meinung als Gerhard Riedl, der die Ansicht vertritt, dass man in der Tiefe drehen sollte. Beitrag - http://bit.ly/1R6iNBG).

DAS TANZEN AUF DEN BALLEN

Im »double time« wird zwischen zwei Hauptschlägen noch ein kleiner Zwischenschlag reingesetzt, heißt für uns Tänzer, ein kleiner, schneller Zusatzschritt (=Zwischenschritt). Schnelles, genaues Tanzen lässt sich gut über balliges und ein nach »oben« gerichtetes Gehen realisieren. Diese Art des Tanzens bedeutet auch, dass Figuren ein labiles Verhalten aufweisen (in der Physik spricht man vom labilen Gleichgewicht). Das ist gut, denn man kann von einem labilen Gleichgewicht schnell und taktgenau in die nächste Bewegung starten. In der Regel macht man als Tänzer den Fehler, Zwischenschritte genauso lange zu setzen wie die Hauptschläge. Der Tanz wird dadurch hektisch, unkontrollierbar und man »rennt« durch die Milonga.

WIE FÜHRT MAN »DOUBLE TIME«?

Das Führen in »double time« bedarf einer Vorbereitung. Tanzt man in der Phrase, weiß der Führende, dass sich in der Regel zwischen den Schlägen drei und vier ein Zwischenschlag »versteckt«. Der Führende bereitet die Frau ein, zwei Taktschläge vorher auf diesen tänzerischen Höhepunkt vor. Der Mann rollt nicht über die Fußsohle ab, er tanzt auf der »Spitze« und bewegt seinen Körper leicht nach oben (gemeint ist ein leicht nach »oben Atmen«). Die Frau spürt die Bewegung des Mannes und folgt ihm. Auf Taktschlag drei – in der Regel ein starker, »männlicher« Taktschlag, kann eine »Minipause« gemacht werden, das System (Mann und Frau) steht für einen kurzen Augenblick – dann werden absolut synchron zur Musik und zum Takt Zwischenschritt und Hauptschritt zusammen getanzt.

DAS ÜBEN WIRD NIE LEICHTER – DAFÜR WIRST DU IMMER BESSER

»Double time«-Tanzen ist Tanzen auf hohem Niveau. Es muss viel geübt und nachkorrigiert werden. Während sich Figuren relativ schnell lernen lassen, muss man beim »double time«-Tanzen in anderen, langen Zeitdimensionen rechnen. Und, das Lernen hört nie auf. Je genauer man tanzt, desto mehr Feinheiten nimmt man in der Musik war. Die Spielereien in der Musik möchte man dann tänzerisch umsetzen. Das Lern- und Übungskarussell dreht sich wieder von neuem.

WORKSHOP

Bei unserem Workshop am 21. März 2016 beschäftigen wir uns mit dem Tanzen im »double time«. Wir analysieren den Grundaufbau der Musik, achten auf die geraden (»weiblichen«) und ungeraden (»männlichen«) Taktschläge, erlernen das Gehen auf den Zwischenschlägen und das Führen und sich führen lassen auf »double time«. Der Workshop eignet sich für alle Niveaus. 

→Details und weitere Infos zum Workshop finden sich hier.