Vom Nuevo-Stil zum engen Tanzen

Der Höhepunkt eines Trends markiert oftmals dessen Untergang. Ungefähr im Jahr 2008 war eine Trendwende im Tango nuevo zu verzeichnen. Vom experimentellen Tango, wo es scheinbar keine Grenzen in der Bewegung und in der Interpretation der Musik gibt, entwickelte sich der Tango nuevo scheinbar zum puren Gegenteil. Hin zu einem sehr intensiven, nahen, engen Tango. Das Wissen der alten Meister vom Milonguero-Stil vermischte sich nun mit dem Know how der jungen genialen Tänzer.  Es entstand eine weiche und körperintensive Form des engen Tanzens. 
Auf der Suche wie sich enges Tanzen gut anfühlt, wurde viel experimentiert, ausprobiert und verworfen. Das, was vor einigen Jahren von Top-Lehrern als das Neueste propagiert wurde, zeigte sich später als überholt und wird heute nicht mehr unterrichtet, wenn auch zum Teil noch getanzt.  

MUT SICH ZU VERÄNDERN

Sich zu trauen, alte Strukturen sowie eigenes Wissen in Frage zu stellen, spricht für den Mut von den Top-Lehrern. Wenn man Videos von einem Paar aus den Jahren 2007 bis ca. 2010 mit heute vergleicht, glaubt man, dass es sich um verschiedene Paare handelt. Sebastian Arce und Marianne Montes sind ein schönes Beispiel.


Das  ENGE TANZEN hat heutzutage eine solide Struktur und basiert auf Biomechanik und auf einer guten Kopplung der Körper. Wo liegen die Schwierigkeiten beim ENGEN TANZEN? Die Frau im Engen zu drehen, ist ungleich schwerer als im weiten Stil. Im Engen fungieren die Körper wie Resonanzkästen. Jede Fehler wird verstärkt und pflanzt sich schnell und unaufhaltsam fort. Fehlinterpretationen und Missverständnisse sind die Folge. Enges Tanzen setzt das Einverständnis von Mann und Frau voraus. Wenn der Führende der Meinung ist, dass ENGES TANZEN lediglich bedeutet, die Frau eng und fest zu umarmen, nimmt er die feinen Signale der Frau nicht mehr wahr. Schwierigkeiten im Paar sind vorprogrammiert. 

INNERE DISZIPLIN 

ENGES TANZEN verlangt eine innere Disziplin. Die Kraft des Mannes fokussiert sich im Körper ausgehend von der inneren Mitte (viele sprechen vom Zen-Punkt) bis hoch zum Brustkorb. Der Körper des Mannes führt, nicht seine Arme. Die Frau steht schwerpunktmäßig auf den Ballen, ist aufrecht und trägt ihr Gewicht selbst. Dadurch ist sie in der Lage mit den schnellen Rhythmen der Musik zu spielen und der Mann führt sie dazu.

Sich auf das ENGE TANZEN einzulassen, heißt, seine Freiheitsgrade im Tango nachhaltig zu erweitern. Der Weg dahin ist schwerer als im Tango nuevo.