Colgadas beim Tango tanzen

Colgadas sind Tango Figuren, wo beide, Führender und Geführte, ihre eigene Achse aufgeben und sich um eine gemeinsame Achse rotierend-tangential beim Tango Argentino bewegen.

Colgadas gehören ohne Zweifel zu den „Königsdisziplinen“ im Tango Argentino. Was macht Colgadas so besonders, worin begründet sich ihr Zauber beim Tango tanzen?

Colgadas sind Bewegungen, die nur im gemeinsamen Zusammenspiel innerhalb des Paares funktionieren. Colgadas sind Figuren, wo beide, Führender und Geführte, ihre eigene Achse aufgeben und sich um eine gemeinsame Achse rotierend-tangential bewegen.

Colgadas beim Tango tanzen – Zauber und Frustration

Colgadas sind mehr als Schritte – es sind Bewegungen, die sich am ehesten mit Aikido- oder Tai Chi-Abläufen vergleichen lassen. Die Gemeinsamkeit spielt hier die zentrale Rolle. Zauber und Frustration in der Colgada liegen nah beieinander. Funktionieren Colgadas fühlt sich das »super-geil« an. Falls nicht, hat man ein absolut besch… Gefühl.

Verständnis für den Ablauf der Colgada

Colgadas lassen sich nahezu in jeden Tangoschritt einbauen – die Magie besteht dabei im Kleinen und Feinen. Voraussetzung ist, dass man das Prinzip dieser Bewegung verstanden hat.

Colgadas sind übrigens keine Erfindung der letzten Zeit (und schon gar keine Erfindung der »Nuevos«). Bei Tänzern, die intensiv, kreativ und in der Musik Tango tanzen, wird sich im Laufe der Zeit eine coldgada- (wie auch volcada-) ähnliche Bewegung im Körper »festsetzen«. Wer schon mal »Oldies-Milongas« in Buenos Aires oder Paris besucht hat, wird sich verwundert die Augen gerieben haben, was die alten Milongueros auf der Tanzfläche für elegante Colgadas und Volcadas »hinlegen«.

Damit wird einem Irrtum der Hardcore-eng-Umarmer entgegengetreten, dass Colgadas Figuren seien, die weit ausladend sind und viel Platz in der Milonga verbrauchen. Die Magie der Colgadas liegt darin, dass in einer innigen und engen, wie auch zarten Umarmung zusammen getanzt wird. Gleichsam einem Schwimmer (gemeint ist das Ding an der Angel, wo der Haken darunter hängt), der sich von Wellen und Strömungen einfach mitnehmen lässt und mit Hilfe des Wassers elegant im Flußbett liegenden Felsen ausweicht.

Rettung in einer unruhigen Milonga

Eng getanzte Colgadas sind ein wunderbares Mittel, um selbst in einer unruhigen Milonga (Tanzsaal) doch noch magische Wirkung im Tanzpaar aufkommen zu lassen.

Colgadas lassen sich nicht von heute auf morgen erlernen. Man muss sich und dem Partner Zeit geben, diese komplexen (und oftmals von außen nicht sichtbaren) Bewegungen im Körper entfalten zu lassen. Colgadas brauchen Wissen darüber, wie sie physikalisch-biomechanisch funktionieren, und wo man sie sinnvollerweise in die Musik einbettet. Bis Colgadas einigermaßen in der Milonga anwendbar sind, muss viel geübt und praktiziert werden.

Selbst wenn man sie schon recht gut beherrscht, empfiehlt es sich nicht, sie gleich am Anfang einer Tanda anzuwenden.

Tänzer, die dagegen verstoßen, brauchen sich nicht zu wundern, wenn bei ihnen die »Codigos« (*) nicht funktionieren.

Colgadas sind »empfindliche Naturen«. Es ist eine gute Idee, sie erst im kleinen, vorsichtig und zart mit der Partnerin »anzutesten«. Vor allen Dingen, wenn es sich um eine fremde Partnerin handelt. Für souveräne Tänzer ist es guter Stil, sich mit der Tänzerin in einigen Tänzen zu synchronisieren und langsam Vertrauen aufzubauen. Wenn alles passt, kann man eine kleine Colgada »draufsetzen«. Entfleucht der Tänzerin ein zartes »Oh«, weiß der Mann, dass er gerade zum »Ritter geschlagen« wurde.

(*) Bei den Codigos handelt es sich um Regeln  (Codigo = Code) wie man sich in der Milonga (Tanzsaal) verhält, was beim Tango tanzen zu beachten gilt und wie man sich gegenseitig auffordert. Letzteres läuft in etwa so ab: Frauen wie Männer suchen von ihren Plätzen aus Blickkontakt zueinander. Wenn der andere den Kontakt erwidert und eine gegenseitige Zustimmung erfolgt, meist durch ein leichtes Nicken signalisiert, dann steht zuerst der Mann von seinem Platz auf und geht der Frau entgegen, kurz darauf erhebt sich die Frau und geht auf den Mann zu. Dieses Auffordern geschieht in der Regel während einer Pause beim Tanzen. Über das Thema „Codigo“ gibt es vor allen Dingen in Europa und da primär in Deutschland hitzige Diskussionen, ob diese Form des Aufforderns noch zeitgemäß ist. Ich empfehle hier die →Website von Gerhard Riedl, der sich sowohl auf satirische Art und Weise als auch kritisch mit dem argentinischen Tango auseinandersetzt.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. „Für souveräne Tänzer ist es guter Stil, sich mit der Tänzerin in einigen Tänzen zu synchronisieren und langsam Vertrauen aufzubauen. “

    Dito! VG Elijah

  2. Danke …
    Michael

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